Der Weiße Schöps ist ein östlicher Zufluss des Schwarzen Schöps im sächsischen Landkreis Görlitz. Am nördlichen Rand des Tagebaus wurde er vor 20 Jahren vollständig kanalisiert. Das war das Ergebnis einer ersten Flussverlegung. Mit der Wiederaufnahme der Förderung im Tagebau Reichwalde ist nun eine Fortsetzung der Flussverlegung geplant, da der Tagebau ab 2015 in das Nordfeld des Tagebaus einschwenken wird. Aus diesem Grund wird eine erneute Verlegung des Weißen Schöps bis Ende 2014 notwendig.
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Mittwoch, 2. April 2014

Wo die vielen Zander wohnen…

Die Kreislauf-Fischzucht-Anlage in Hammerstadt

In unserem aktuellen Artikel haben wir der Kreislauf-Fischzuchtanlage der Fischzucht Rietschen GmbH einen Besuch abgestattet. Wir möchten uns ganz herzlich bei Dr. Karsten Tusche für die Fülle an Informationen bedanken. Die Kreislaufanlage ist nicht nur ein direkter Nachbar des Reichwalder Tagebaus, sondern liegt auch unmittelbar am Weißen Schöps im Rietschener Ortsteil Hammerstadt.
 
Firmenschild der Fischzucht Rietschen GmbH, Foto: Stefanie Tusche

Die Hauptaufgaben der Kreislauf-Fischzucht-Anlage liegen vor allem in der Produktion von Zandern sowie der Aufzucht von Pflanzmatten. In 30 Aufzuchtsbecken wachsen die Fische bei einer konstanten Temperatur von 22 Grad heran. Im Gegensatz zu den Teichzandern wird die Wachstumszeit mit Hilfe der Kreislaufanlage mehr als halbiert. Das bedeutet, ein ausgewachsener Zander braucht in der Anlage keine 4 Jahre, sondern nur noch 1 ½ Jahre, um eine Länge von 40 bis 50 cm und ein Durchschnittsgewicht von 1,2 kg zu erreichen. 

Ein ausgewachsenes Zanderweibchen beim Wiegen & Messen, Foto: S. Tusche

Doch was hat es mit dem System einer Kreislaufanlage auf sich? Das für die Kreislauf-Fischzucht-Anlage benötigte Wasser wird über zwei Pumpensümpfe mit jeweils 40 Kubikmetern gereinigt und fließt über zwei Leitungen durch die Aufzuchtsbecken, in denen die Zander schwimmen. Nach dem Durchfließen von einem der 30 Becken fließt das Wasser in eine mechanische Reinigungsanlage zurück. Innerhalb einer Stunde wird das Wasser in den Becken zweimal ausgetauscht, was bei einem 24 Stundenbetrieb bedeutet, die Fische bekommen 48mal frisches Wasser zugeführt. Ungefähr 10% des Wassers gehen im Reinigungsprozess der Kreislaufanlage verloren und müssen daher ersetzt werden. Das passiert wiederum über die Pumpensümpfe.

Haltungsbecken der Kreislaufanlage, Foto: Dr Karsten Tusche

Wasser im Anlagenkreislauf, Foto: Dr Karsten Tusche

Mit Hilfe der Wärmeenergie der Biogasanlage der Viereichener Rindfleisch e.G., erhält die Kreislaufanlage über eine etwa 2 km lange Rohrleitung die benötigte Wärmeenergie zum Heizen.

Seit Oktober 2013 befindet sich die Kreislauf-Fischzucht-Anlage in ihrer Einlaufphase. Zu Beginn brachten die Zander ein Gewicht von 20 bis 30 Gramm auf die Waage. Im Moment haben sie ein Durchschnittsgewicht von 100g. Doch die Einlaufphase ist vor allem gekennzeichnet durch ein ständiges Ausprobieren und Experimentieren, um die optimalen Lebensbedingungen für die Fische zu erreichen. 

Nach Beendigung der Einlaufphase werden später einmal 450 000 Zander erzeugt, diese sollen dann in allen Altersklassen auf dem Markt angeboten werden. Insgesamt sollen rund 50t Zander pro Jahr in der Kreislauf Fischzuchtanlage produziert werden.  Zander sind vor allem in der Dunkelheit aktiv, denn frühestens in der Dämmerung beginnen die nachtaktiven Beutejäger ihre Nahrungssuche. Deshalb ist das richtige Beleuchtungsmaß in der Anlage sehr wichtig. Die Zander müssen kontinuierlich gefüttert werden, so dass sie sich nicht an ihren Artgenossen vergreifen. 

Auf der Suche nach der richtigen Beleuchtung, Foto: S. Tusche

Neben der Zander-Produktionsanlage gibt es sieben Wasserpflanzbecken mit einer Größe von insgesamt 5000 Quadratmetern. In diesen Becken wachsen Wasserpflanzen auf Kokosmatten heran, die für die Uferbegrünung oder aber auch als Uferböschungsbefestigung beispielsweise am neuen Weißen Schöps optimal genutzt werden können.

Die Halle der Kreislaufanlage & die Teile der Pflanzbecken, Foto: S. Tusche

Sonnenaufgangstimmung über den Pflanzbecken, Foto: Dr Karsten Tusche

Für den Bau der Kreislaufanlage investierte die Fischzucht-Rietschen GmbH über 2 Millionen Euro. Die Europäische Union und das Operationelle Programm der Bundesrepublik Deutschland für den Europäischen Fischereifonds fördern das Bauvorhaben mit 60%.

Die Kreislaufanlage, Foto: Dr Karsten Tusche

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie wie immer neugierig. Ihre Stefanie Tusche vom ArTour-Team in Rietschen

Mittwoch, 15. Januar 2014

Die Begrünung nach dem Gewässerumbau

Liebe Blogleser, als erstes möchten wir Ihnen noch ein gesundes neues Jahr wünschen, bevor wir Ihnen unseren ersten Artikel im neuen Jahr vorstellen. Dabei handelt es sich um das Thema der Begrünung nach dem Gewässerumbau am Weißen und Schwarzen Schöps. Herr Jürgen Scheuermann von der iKD Ingenieur Consult GmbH in Dresden, welcher für die ökologische Baubegleitung verantwortlich ist, hat uns diesen Beitrag zur Verfügung gestellt. Dafür  möchten wir uns recht herzlich bei Ihm bedanken.

Sobald die Bauarbeiten in einem Bauabschnitt beendet sind, beginnt die Begrünung.

Die Begrünung kann durch das Abwarten der sogenannten Sukzession, d.h. einem „Sich-Selbst-Überlassen“ der Flächen erfolgen. Durch Sameneintrag aus der Umgebung mit Hilfe von Wind, Wasser und Tieren siedeln sich Pflanzen selbstständig an. Das beginnt mit den Pionierpflanzen. Besonders an feuchten Stellen sind schnell Froschlöffel, Flatter-Binse, Zarte Binse und Zwiebel-Binse zu entdecken. Schon nach einem Jahr werden die Binsen sukzessive durch Seggen, Gräser, Schilf und andere Hochstauden ersetzt. In der Nähe von vorhandenen Schwarz-Erlen ist ein Erlen-Jungaufwuchs zu beobachten. Länger dauert eine Selbstbesiedelung auf den ausgesprochen trockenen Flächen. Dort sind teilweise nur Kiefer-Sämlinge anzutreffen.

Binsen als Erstbesiedler im Rahmen der Sukzession im Neubauabschnitt

Neben einer Begrünung zum Nulltarif hat die Sukzession den Vorteil, dass die wachsenden Pflanzen heimischen Ursprungs sind und sich selber ihren richtigen Standort suchen. Allerdings kann auf noch nicht begrünten, geneigten Flächen Erosion auftreten. Zu bedenken ist ebenfalls, dass das künftige Fließgewässer bei Hochwasser Erosionen an den Ufern verursachen kann, die im Bereich des Unterhaltungsweges und von Bebauungen nicht gewollt sind. Darüber hinaus können insbesondere in den Anfangsstadien der Sukzession auf die noch kahlen Stellen unerwünschte Neophyten konkurrenzlos einwandern, deren Bekämpfung dann sehr schwierig wird. Deshalb wird das neue Gewässer nach Ende der Baumaßnahmen vorwiegend aktiv begrünt.

Hierzu werden die Gewässerböschungen ab Mittelwasser-Niveau mit einer Gräser-Kräuter-Saatgutmischung angesät. Zur schnellen Begrünung von stark geneigten, erosionsgefährdeten Böschungen wird dem Saatgut auch teilweise sogenanntes Ammensaatgut beigemischt. Dabei handelt es sich um schnell keimende und wachsende Gräser-/Getreidearten wie Roggen-Trespe oder Triticale. Diese Pflanzen schaffen einen kurzfristigen Schutz der Böschungsoberfläche vor Erosion und Austrocknen. Die eigentlich gewollten Pflanzen können im Schutz der Ammenpflanzen heranwachsen. Auf Deichen werden zusätzlich Erosionsschutzmatten aufgenagelt.

Erosionsschutzmatten am Ostergraben in Werda

Der Gewässerlauf wird beginnend am Mittelwasser-Niveau mit Gehölzen der Weichholz-Aue (Schwarz-Erle, Weiden) bepflanzt. Ziel ist eine Beschattung des neuen Flusses. Auf den höher gelegenen Flächen, die ein Hochwasser nur selten oder nie erreicht, werden Gehölze der Hartholz-Aue (Ulmen, Stiel-Eiche, Eber-Esche, Haselnuss, Pfaffenhütchen, etc.) gepflanzt.

Pflanzung von Eichen auf die Böschung des Neuabschnittes

Bei den 2012 begrünten Abschnitten war 2013 eine ausgiebige Verdichtung des Bewuchses festzustellen. Invasive krautige Neophyten treten in den fertig gestellten Gewässerabschnitten noch nicht auf. Ihr Einwandern ist nach Inbetriebnahme des Gewässers jedoch zu erwarten. Umso wichtiger ist die schnelle Etablierung einer standortgerechten einheimischen Vegetation, was u.a, auch durch das Umsetzen von Röhricht-Soden erfolgt.

Umsetzung von Röhrichtpflanzen zur schnellen Besiedlung des neues Gewässerufers mit einheimischen Pflanzen

Als sehr günstig hat sich das Belassen einzelner Gehölzgruppen außerhalb des Mittelwasserprofils erwiesen. Von hier aus und aus den im Boden vorhandenen Samen erfolgt erkennbar eine zügige Wiederbesiedlung des umgestalteten Gewässers.

Röhricht-Matten an den feuchten Böschungen des Neubauabschnittes schützen vor Hangerosion

Im Neubauabschnitt, wo lange Böschungen der Erosion Angriffspunkte bieten und an Schichtgrenzen zum Teil starke Wasseraustritte zu verzeichnen waren, wurden angepasst an die jeweilige Situation Röhrricht-Vegetationsmatten eingebaut. Hier konnte ein schnelles Anwachsen beobachtet werden. Des Weiteren erfolgte eine gezielte Mahdgutübertragung, aber auch die Ausweisung von Sukzessionsflächen.

Die Begrünung erfolgt generell ausschließlich mit autochthonem Saat- und Pflanzgut.

Nach einem Jahr sind die Erlen bereits stark gewachsen und eine Grundbegrünung des Gewässers ist vorhanden

In unserem nächsten Artikel wird es um die neue Kreislaufanlage der Fischzucht-Rietschen gehen. Bleiben Sie wie immer neugierig! 

Ihr ArTour-Team in Rietschen

Donnerstag, 11. April 2013

Die Herstellung eines neuen Gewässerlaufes

Heute betrachten wir die Neubaustrecke des Weißen Schöps zwischen Hammerstadt bis südlich von Altliebel.
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Projektleiterin Frau Corina Fiskal von Vattenfall für die Unterstützung bei den Artikeln.

Die Neubaustrecke umfasst eine Länge von 5,5 km. In der Planungsphase musste zuerst der notwendige Trassen- und Entwicklungskorridor für das Gewässer ermittelt werden. So wurden zum Beispiel die früher vorhandenen, natürlich gebildeten Krümmungsradien ermittelt und nachempfunden.
  
Weißer Schöps bei Zweibrücken, dargestellt in einer topografischen Karte von 1937 mit Eintragung eines möglich früheren Gewässerverlaufs
Dementsprechend wird der Entwicklungskorridor – je nach Einschnitttiefe 40 bis 90 m breit ausgebaut.
Insbesondere im unteren Abschnitt befindet sich das spätere Gewässer stark im Einschnitt. Hier sind Erdbewegungen in enormer Größenordung erforderlich. Die vorhanden Gräben und Vorfluter müssen je nach Funktion gedükert[1] oder in das neue Gewässer eingebunden werden.
Bei den Baumaßnahmen wird zunächst das Gewässerprofil mit dem Mittelwasserbett hergestellt und dann die sich schlängelnde Niedrigwasserrinne vorprofiliert.

Neubaustrecke 2012, Einschnitt für das Flussbett mit vorprofilierter Niedrigwasserrinne
Die Arbeiten der Neubaustrecke sind in dem sogenannten Baulos 2 zusammengefasst. 
Die Maßnahmen werden durch die Firma Richard Schulz, Tiefbau GmbH aus Schwarzheide realisiert. 

Einteilung der Projektabschnitte
Baubeginn war hier Frühjahr 2012, Ende 2013 sollen die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein. Dazu gehören ca. 230.000 m³ Bodenaushub und Zwischenlagerung, 730.000 m³ Bodenaushub und -abfuhr, Oberbodenauftrag und Rasenansaat auf einer Fläche von ca. 250.000 m², ca. 11 km Wegebau, die Herstellung von Gräben und Schachtbauwerken sowie die Errichtung eines  Pegelhäuschen in Hammerstadt um einige Leistungen und Zahlen zu nennen.

Bauphase 2012 ausgeführt von der Firma Richard Schulz Tiefbau GmbH Schwarzheide Foto: Corina Fiskal
Abschnittsweise erfolgen auch immer zeitnah die notwendigen Begrünungs- und Pflanzarbeiten. Dabei werden beginnend am Mittelwasserniveau Gehölze wie Schwarzerle und Weiden gepflanzt (Weichholz-Aue). Auf den höher gelegenen Flächen, die nur selten vom Hochwasser erreicht werden, nimmt man eine Anpflanzung der sogenannten Hartholz-Aue, wie Stieleiche, Eberesche, Haselnuss etc. vor.
In den Abschnitten, an denen lange Böschungen der Erosion Angriffspunkte bieten, aber auch an Schichtgrenzen wo starke Wasseraustritte zu verzeichnen waren, wurden Röhrichtvegetationsmatten eingebaut.
Durch eine Mahdgutübertragung konnte gebietsheimisches Saatgut auf die Böschungen aufgebracht werden.

Einschnittbereich mit Mahdgut und der gezielte Einsatz von Röhrrichtmatten Foto: Corina Fiskal
Derzeit arbeiten die Bagger und Dumper der Firma  Richard Schulz hinter dem Ortsausgang Neuliebel. Hier hat man von der Straße einen freien Blick auf den Baubereich.

Bauphase Neubaustrecke Weisser Schöps, Blick Richtung Altliebel 08.04.2013 Foto: Kathrin Kambor
Das neue Gewässer wird einen wesentlichen Beitrag zum Biotopverbund leisten.
Ziel der naturnahen Gewässerbildung bzw. Gewässerentwicklung ist es, Strukturvielfalt und Strukturreichtum im Gewässer und der Aue, die Gewährleistung der ökologischen Durchgängigkeit und somit die Schaffung natürlicher Lebensverhältnisse von Fauna und Flora im und am Gewässer zu ermöglichen[2].

In der nächsten Woche werden wir über den Altlauf des Weißen Schöps zwischen Rietschen und Hammerstadt informieren. Bleiben Sie neugierig.

Ihre kathrin Kambor vom ArTour -Team in Rietschen



[1] unterführt
[2] Erläuterungsbericht der Planungsgemeinschaft Umverlegung Weißer Schöps