Der Weiße Schöps ist ein östlicher Zufluss des Schwarzen Schöps im sächsischen Landkreis Görlitz. Am nördlichen Rand des Tagebaus wurde er vor 20 Jahren vollständig kanalisiert. Das war das Ergebnis einer ersten Flussverlegung. Mit der Wiederaufnahme der Förderung im Tagebau Reichwalde ist nun eine Fortsetzung der Flussverlegung geplant, da der Tagebau ab 2015 in das Nordfeld des Tagebaus einschwenken wird. Aus diesem Grund wird eine erneute Verlegung des Weißen Schöps bis Ende 2014 notwendig.
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Mittwoch, 4. Dezember 2013

Der Schenkteich in Hammerstadt

Wie schon angekündigt informieren wir Sie heute über die Errichtung des Schenkteichs in Hammerstadt. Vielen Dank an Frau Ute John vom Baubüro der Schöpsbaustelle für die Bereitstellung des Artikels.

Für die durch die Weiterführung des Tagebaus Reichwalde in Anspruch genommenen Teiche werden Ersatz- und Ausgleichmaßnahmen realisiert bzw. sind bereits abgeschlossen. Eine bereits fertig gestellte  Baumaßnahme ist die Herstellung der drei neuen Fischteiche östlich der Hammerstädter Teichgruppe mit einer Gesamtfläche von 29,4 ha. Des Weiteren ist die Errichtung des Schenkteiches, als Naturteich, unmittelbar westlich der Ortslage Hammerstadt geplant.

Zur Geschichte:

Bereits 1612 erfolgte die erste Erwähnung der Hammerstädter Teiche .Sie gehörten zum Grundeigentum der Herrschaft Kreba .Ein Teil der Teiche wurde nach dem Konkurs des Freiherrn von Schlotheim in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt. Die Namen dieser Teiche waren u.a. Mittelteich, Groß-Wieseteich und Schenkteich. Frau Gerda Hilke, Bewohnerin von Hammerstadt, kann sich gut an ihre Kindheit und an die Arbeiten zur Herstellung der Felder in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft erinnern. Heute wird fast an gleicher Stelle der neue Schenkteich angelegt.
Hammerstädter Teiche 1888 mit Ergänzungen 1919

 

Der ,,neue“ Schenkteich

Die geplante Größe des Teiches ist 1,65 ha. Der Teich hat eine Anbindung an das Grundwasser und der zukünftige Wasserstand schwankt zwischen ca. 3,6 -4,4 m und unterscheidet sich dadurch wesentlich von den Fischteichen. Neben dem Grundwasseranschluss wird als Zulauf der Dorfgraben Hammerstadt in den Schenkteich eingebunden, zur weiteren Wasserversorgung gibt es eine Einspeisung über den Weißen Schöps. Mit der Errichtung eines Teichständers kann der Auslauf über den Teichableiter  in die Neubaustrecke des Weißen Schöps gesteuert werden.
Übersichtsplan Schenkteich

Das Wegekonzept

Entlang des Hochwasserschutzdeiches und auf der gegenüberliegenden Seite des Teiches schlängelt sich ein Fußweg. Dieser hat eine Anbindung an den Radweg und an die Straße „Am Schöps“.

So besteht nach Fertigstellung der Maßnahme die Möglichkeit den Schenkteich zu Fuß oder mit dem Rad zu umrunden. Durch die Wegeführung ist der Anschluss an den späteren Wolfsradweg im Bereich der Brücke „Am Schöps“ gegeben. 
1 Radweg - 2 Fußweg - 3 Feldweg - 4 Auslauf Mulde - 5 Zufahrt - 6 BE

Bepflanzungen

Zur Aufwertung der Flächen werden verschiedene Pflanzmaßnahmen durchgeführt. Die Bepflanzungen werden in erster Linie im unmittelbaren Teichbereich sowie an den angrenzenden Flächen des Radweges realisiert. Die speziellen Flachwasserbereiche mit einem gut ausgebildeten Röhrichtbestand übernehmen dann auch eine wichtige Filterfunktion im Teich.

Der Bereich des Radweges soll mit Einzelbäumen, Hecken und einer Obstbaumreihe gesäumt werden.
Hammerstadt aus der Vogelperspektive im Juni 2013


Insgesamt wird sich der Schenkteich  in seiner natürlichen Bauweise in die Hammerstädter Teichlandschaft  einfügen. Naturliebhaber, Erholungssuchende, Radfahrer und Spaziergänger lernen hier ein neues Ausflugsziel in der Gemeinde Rietschen kennen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Auch unser nächster Artikel wird wieder spannend.
Eine schöne Adventszeit wünscht Ihnen

Ihre Kathrin Kambor vom ArTour-Team in Rietschen

Mittwoch, 25. September 2013

Die Hammerstädter Teiche „Karpfentour“

Nach der feierlichen Übergabe der drei neuen Teiche am letzten Freitag an den Fischwirt Helmut Tusche der Fischzucht Rietschen GmbH möchten wir Ihnen heute die „Karpfentour“ näherbringen.
Vielen Dank der Projektleiterin Corina Fiskal von Vattenfall für die Bereitstellung des Artikels.
 
Die Hammerstädter Teiche
Die Wanderung “Karpfentour” zwischen Werda und Hammerstadt in den Hammerstädter Teichen verbindet die Alt- und Neuteiche. Auf einer Länge von ca. 5 km kann man den Blick vom Aussichtshügel genießen und dabei die zahlreichen Wasservögel beobachten, Rast in der Schutzhütte am Strichteich machen oder im Herbst den Fischern beim Abfischen über die Schulter schauen. Mit Fertigstellung der Baumaßnahmen an der Raklitza wird es weitere Touren geben und das Wegenetz wird zusätzlich ausgebaut.
Ein Faltblatt mit entsprechender Karte und Informationen wird erarbeitet und Ihnen bald zur Verfügung gestellt, als Einladung diese besondere Kulturlandschaft zu erkunden.

Wanderroute Karpfen-Tour um die Hammerstädter Teiche
Startpunkt der Karpfentour ist die Ortslage Werda, am Raklitzaweg. Hier können Sie auch Ihr Auto abstellen und sich einen Überblick am Info-Punkt verschaffen.
Der Rundweg beginnt an den Neuteichen, die zwischen April 2012 und September 2013 als Ausgleichsmaßnahme für die Inanspruchnahme von Teichflächen durch den Tagebau Reichwalde errichtet worden sind. Der Blume,- Mittel- und Heideteich umfassen insgesamt knapp 30 ha Wasserfläche. 
 
Wasservögel am Delinkateich Foto: Corina Fiskal


Die erforderlichen Zu- und Ableitungsgräben weisen eine Gesamtlänge von über 2 km auf. Der Rundweg führt an der Ostseite der Neuteiche entlang. Im Bereich des Mittelteiches können Sie die wenigen Stufen auf den lang gestrecktem Aussichtshügel erklimmen und Rast halten.
 
Kremserfahrten bei der Eröffnung der neuen Teiche am 20.09.2013 Foto: Kathrin Kambor

Rastplatz am Mittelteich mit Informationstafeln Foto: Kathrin Kambor
Der Weg wendet sich dann zwischen dem Heideteich und der Raklitza nach Südwesten. Hier befindet sich eine besondere Landmarke - ebenfalls auf einem kleinen Hügel - der den Blick über den Heideteich und den angrenzenden Delinkateich ermöglicht.
Feierliche Eröffnung der Landmarke am 20.09.2013 Foto: Kathrin Kambor
Über einen  mit alten Eichen gesäumten Weg kommt man zu einer Kreuzung mit Übergang über die Raklitza. Derzeitig noch ein alter Durchlass, der aber im Zuge der Baumaßnahmen am Weißen Schöps schon bald durch eine neue Brücke ersetzt wird.
Hier befindet sich auch die 2012 errichtete Schutzhütte mit dem Karpfenstein. 
 
Neue Sitzgelegenheiten in der Schutzhütte Foto: Kathrin Kambor

Zwischen Raklitza- und Dekinkateich führt der Weg nach Süden weiter und man durchquert einen schönen alten Mischwald bis man in die Ortslage Hammerstadt gelangt.
Hier im Ort befinden sich die Ochsenteiche und wenn man Glück hat, sieht man die kleine Herde Wasserbüffel, die hier zur Teichpflege eingesetzt werden. Info-Tafeln vermitteln Interessantes zu diesen Tieren.
Der Weg läuft kurze Zeit mit der Straße nach Werda, bevor man am Durchlass dem neuen Ableitergraben folgt und einen wunderschönen Blick über den angrenzenden Hatschikteich genießen kann. Der Weg führt dann zwischen dem Blume- und Mittelteich zurück zum Ausgangspunkt.
Schwäne auf dem Blumeteich Foto: Kathrin Kambor
Die Tour ist ausgeschildert, Sie müssen nur den Karpfen folgen.

Wegweiser der Karpfentour Foto: Kathrin Kambor
Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Blog. Auch unser nächster Artikel wird wieder interessant. Bleiben Sie weiterhin neugierig.

Ihre Kathrin Kambor vom ArTour-Team in Rietschen

Sonntag, 7. April 2013

Der Mühlteich und der Ostergraben im Ortsteil Werda

In unserem heutigen Artikel befinden wir uns im Ortsteil Werda und möchten Sie über den Mühlteich und den Ostergraben informieren. Wir bedanken uns bei Herrn Lisk von der Grontmij GmbH für die Bereitstellung der Maßnahmebeschreibung, der Bilder und die Überarbeitung des Artikels.

Der Alte Mühlteich

Vor 1995 war unmittelbar an der Brücke der heutigen Kreisstraße K 8413 über den Weißen Schöps ein Wehrbauwerk, wahrscheinlich ein Dammbalkenwehr, vorhanden.
Der Absperrdamm am Mühlteich entstand im Zusammenhang mit dem Rückbau des alten Wehres und der alten Straßenbrücke sowie dem Neubau der jetzigen Brücke im Jahre 1995.
Der Damm wurde zur Sicherung der Baufreiheit und Wasserhaltung geschüttet und nach Fertigstellung der Brücke belassen. Die unzureichende Eignung des Dammes für den permanenten Wassereinstau und der fehlende Durchfluss machten 2006 Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich. Dazu wurde ca. 100 m oberhalb des Spundwandwehres Rietschen ein Rohrdurchlass DN 250 als Abschlag ertüchtigt, der Zulauf zum Mühlteich und der Mühlteich selbst von Schlammablagerungen beräumt sowie über das Absperrbauwerk ein Gerinne mit Dammbalken als Verschluss geführt, sodass ein ständiger Durchfluss durch den Mühlteich gewährleistet ist.

Alter Mühlteich, Aufnahme Grontmij GmbH 2009
Durch Weiterführung des Tagebau Reichwalde und die dadurch notwendige Verlegung des Weißen Schöps ist die Ertüchtigung des Altlaufes notwendig, die den jetzigen Standort des Dorfteiches Mühlteich verändern. Ein Erhalt des Teiches inmitten des Flusses hätte hinsichtlich des Hochwasserschutzes nicht hinnehmbare Risiken in sich geborgen. 

Alter Mühlteich im April 2013 Foto: Kathrin Kambor
Da es das Ziel ist einen Dorfteich zu erhalten und damit gleichzeitig die Lebensqualität zu erhöhen, wurde ein neuer Standort gewählt.

Der Neue Mühlteich

Der Neue Mühlteich entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft, ca. 150 m nördlich vom alten Standort. 

Bauphase am Neuen Mühlteich / Ausführung Firma Nadebor Foto: Corina Fiskal
 
Bauphase am Neuen Mühlteich / Ausführung Firma Nadebor

Das neue Gewässer wird vom Ostergraben sowie über eine zusätzliche Leitung aus dem Weißen Schöps gespeist. Um die Verbindung zum Ostergraben zu gewährleisten, musste ein Durchlass unter der Straße zwischen Werda und Hammerstadt angelegt werden. Zusätzlich wurde ein Otterdurchlass in Rahmenbauweise errichtet, welcher Kleintieren die gefahrlose Querung der Kreisstraße ermöglicht.

Aus naturschutzfachlichen und gestalterischen Gründen wird der verrohrte Abschnitt des Ostergraben östlich der Ortslage bis zum Anschluss an den Altlauf durch einen offenen Graben ersetzt. Die bereits bestehenden Entwässerungen der Weideflächen zwischen Kirchstraße und Bahnhof, sowie der Hammerlache erfolgen weiterhin über den Ostergraben.

Die Ersatzmaßnahmen des Grabens erstrecken sich auf einer Länge von ca. 750 m.
Nach Fertigstellung besitzt der Neue Mühlteich ein Volumen von ca. 2400 m³. Die Teichoberfläche beträgt bei Höchststau ca. 1470 m².
Ziel ist es, einen maximalen Wasserstand von 139,00 m ü. NHN[1] zu erreichen. Wenn aufgrund lang anhaltender Trockenheit und Niedrigwasserführung im Ostergraben der Wasserspiegel im Mühlteich absinkt, soll über ein Einlaufbauwerk eine zusätzliche Einspeisung aus dem Weißen Schöps möglich sein.

Der Teich wird von einem Wirtschaftsweg umschlossen und soll als öffentlicher Bereich für die Bürger von Werda und darüber hinaus dienen.
Es werden rings um den Mühlteich u.a. Pflanzungen von Gehölzen einheimischer Art, Trauerweide, Schwarzerle und Korbweide vorgenommen, wobei die Westseite überwiegend von Gehölzen freigehalten wird um Sichtbeziehungen zu ermöglichen. Zusätzliche Pfade und ein Steg gestatten den direkten Zugang zum Teich.

Offenlegung Ostergraben und Neuer Mühlteich; Quelle: Gronmij GmbH, Stand: Ausführungslan

Neubau Dorfgemeinschaftshaus

Der alte Goldene Reiter ist in die Jahre gekommen. Die Neugestaltung des Ostergraben und des Mühlteiches sowie die zentrale Lage bieten sich an, auch ein neues Dorfgemeinschaftshaus im Ortskern von Werda zu errichten.

Lageplan neues Dorfgemeinschaftshaus "Goldener Reiter"; Quelle: Gronmij GmbH, Stand: Entwurf

Es ist ein eingeschossiges Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss geplant. Im Erdgeschoss wird die behindertengerechte Toilette und eine Küche mit Lager-/Hausanschlussraum angeordnet, sowie ein Vereinsraum. Im ausgebauten Dachgeschoss soll ein großer Versammlungsraum entstehen.

Visualisierte Ansicht neues Dorfgemeinschaftshaus "Goldener Reiter"; Quelle: Gronmij GmbH, Stand: Entwurf
Ziel ist es mit den geplanten Baumaßnahmen das Landschafts- und Ortsbild zu bereichern und den Erlebnis- und Erholungswert zu erhöhen[2].

In unserem nächsten Artikel betrachten wir die Neubaustrecke des Weißen Schöps zwischen Hammerstadt und Altliebel. Bleiben Sie neugierig.

Ihre Kathrin Kambor vom ArTour-Team in Rietschen



[1] Normalhöhennull
[2] Maßnahmebeschreibung „Ostergraben und Mühlteich“ Grontmij GmbH

Donnerstag, 21. März 2013

Der Pechteich in Neuliebel und seine Revitalisierung

„Wo befindet sich denn der Pechteich?“. Diese Frage tauchte in Gesprächen schon mehrmals auf, daher möchten wir in dieser Woche über den Alten Pechteich berichten.
Den Namen „Alter Pechteich“ hat er wahrscheinlich um die 1616 erhalten, als Holzkohle und Pech für den Eisenhammer in Hammerstadt am Teich hergestellt wurden.[1]

Besser bekannt ist der Alte Pechteich im Volksmund unter dem Namen „Alte Schmulze“ oder „Alte Schmolze“.
Der Alte Pechteich liegt nördlich von Neuliebel, nahe der Dichtwandtrasse und ist bald unmittelbarer Nachbar des Weißen Schöps.

Der Alte Pechteich aus der Vogelperspektive

Der Teich wurde durch die Errichtung der Dichtwandtrasse angeschnitten. Der westliche Teil ist für die Überbaggerung durch den Tagebau vorgesehen. Der Ausgleich für die Beeinträchtigungen des tagebauseitigen Teils erfolgte über die Aufwertung des verbleibenden Teils des Alten Pechteiches außerhalb des Tagebaugeländes.

Eine Maßnahme der umfangreichen und komplexen Flussverlegung des Weißen Schöps war somit die Aufwertung des „Alten Pechteiches“ und die Förderung der Auenwaldstruktur im Mittelpechteichgebiet.
Bei den Revitalisierungsmaßnahmen wurden ca. 50% des Röhrichts entfernt und Entlandungen durchgeführt. Die beräumte Fläche beträgt ca.1,9 ha.. Die Tiefe der Entlandung wurde so ausgeführt, dass der Teich in das Grundwasser einsticht. Insgesamt wurden über 14000m³ Material ausgebaggert und verbracht .[2]
 
Firma Nadebor im Einsatz

Alter Pechteich nach Durchführung der Entlandungs- und Entschilfungsmaßnahmen Foto: Matthias Kambor

Nach Erreichen des Sollwasserzustandes wurde im Januar 2011 ein erster Fischbesatz durch die Fischzucht Rietschen GmbH eingebracht.

Einbringen des ersten Fischbesatzes

Der Alte Pechteich wird vom Modergraben gespeist. Der Modergraben durchfließt von Osten kommend den Alten Pechteich und endet derzeit im zukünftigen Tagebaubereich. Im Bereich der Schöpstrasse wird der Graben gedükert.


Mit der Fertigstellung des Weißen Schöps wird es einen Auslauf vom Pechteich in den Fluss geben, perspektivisch ist eine Anbindung an den „Neuen Modergraben“ vorgesehen.

Falls Sie Anregungen oder Wünsche für Blogartikel über die Schöpsbaustelle haben, scheuen Sie sich nicht uns zu kontaktieren.

Der Ortsteil Werda wird in unserem nächsten Artikel das Thema sein. Wir möchten Sie über den  Mühlteich und den Ostergraben informieren. Bleiben Sie neugierig. Wir freuen uns über Ihren Besuch auf unserem Blog.

Wir wünschen  Ihnen ein frohes Osterfest

Ihre Kathrin Kambor vom Artour-Team in Rietschen



[1] Info Landesamt für Archäologie
[2] Info Planungsgemeinschaft Umverlegung Weißer Schöps

Donnerstag, 7. Februar 2013

Ein Blick in die Archäologie

Die Spätmittelalterliche Turmburg von Altliebel

Diese Woche begeben wir uns in ein ganz neues Forschungsfeld und beschäftigen uns mit einem archäologischen Fundplatz, der zwischen dem Tagebau Reichwalde und der neuen Flussstrecke des Weißen Schöps entdeckt wurde.

Der Tagebau Reichwalde und die Umverlegung des Weißen Schöps bieten für die Archäologie ein einmaliges Forschungsfenster und eröffnen interessante Einblicke in die Geschichte unserer Region. Verschiedene Ausgrabungen in dem zukünftigen Abbaugebiet des Tagebaus deuten auf Siedlungsstrukturen seit dem Spätneolithikum (ein von 2600–2100 v. Chr. dauernder Abschnitt der Jungsteinzeit Mitteleuropas) und die Nutzung natürlicher regionaler Ressourcen wie Holz und Raseneisenstein hin.


Pfahlsetzungen, Foto S. Balogh

Einen ganz besonderen Fund stellen dabei zufällig entdeckte Pfahlsetzungen bei Altliebel dar. Ein Blick in die Forschungsgeschichte zeigt, dass bereits 1826/27 erste Ausgrabungen durch den Besitzer des ehemaligen Gutshauses in Altliebel stattfanden. Auch ein gewisser Lehrer Brühl aus Mocholz berichtete 1840 über die Grabungsergebnisse. Die Entdeckungen wurden jedoch nicht weiter verfolgt, bis 2008 einige Pfahlsetzungen bei Baggerarbeiten zufällig wiederentdeckt wurden. Im Auftrag des Landesamtes für Archäologie in Dresden wurde von einem Team von Mitarbeitern unter der Leitung des Grabungstechnikers Josephus Janssen die flächige archäologische Untersuchung durchgeführt.


Standort der Turmburg im Luftbild, Foto: M. Agthe 1990 (Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum)

Die Vermutungen der Archäologen bestätigten sich relativ schnell und so konnten sie anhand der ausgegrabenen Pfahlsetzungen, auf eine Turmburg schließen. Die sogenannten Turmhügelburgen waren von Irland bis Polen weit verbreitet und wurden in der Zeit zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert errichtet, wobei der Schwerpunkt der Entstehung auf das 11. und 12. Jahrhundert datiert werden kann. Bei Turmhügelburgen handelt es sich in der Regel um kleine Burgen des niederen Adels, die ihren Ursprung in Frankreich haben und in der Forschung unter dem Begriff „Motte“ bekannt sind. Typische Merkmale sind die Holzbauweise der Burg auf einem künstlich angelegten Erdhügel, mit dem meist turmförmigen Gebäude auf der Hügelspitze. Zur Absicherung der Turmburg waren diese zumeist von Wasser oder Morast umgeben und nur über einen gut einzusehenden Weg erreichbar. 


Vorstellungen einer Turmburg nach A. Dürer 1497

Die Archäologen entdeckten in Altliebel die Reste eines quadratischen Turmes, der von einer Palisade eingefasst war. Die Altliebeler Turmburg war vermutlich von einem moorigen Gebiet umgeben, so dass der Zugang zur Burg, über eine Brücke bzw. über einen Steg erfolgen musste. Von der Standhaftigkeit der Turmburg zeugen Pfahlgründungen die über  4 Meter unter der Geländeoberkante reichten. Nach Auswertung einer Dendroanalyse, einer Datierungsmethode über das Baumalter des Holzes, kann die Entstehung der Turmhügelburg gegenwärtig um das Jahr 1400 n. Chr. datiert werden.

In engem Zusammenhang mit der Turmhügelburg vermuten die Archäologen auch die Herrschaftsgeschichte der Familie Metzradt, eine Familie die im 13. Jahrhundert aus Holland nach Bautzen eingewandert ist. Sie gehörten vermutlich dem Stand des Ministerialadels an. Vom 13. bis in ins 14. Jahrhundert vermehrte die Familie Metzradt ihre Ländereien um Besitzungen in Milkel, Klitten und Reichwalde, wobei sie im 14. Jahrhundert den Höhepunkt ihrer Familiendynastie erreichte. Auch in Liebel (Altliebel) sind Familienmitglieder der Metzradts von 1396 bis 1664 wohnhaft dokumentiert. Die Vermutung legt nahe, dass Familienmitglieder der Metzradts die Turmhügelburg errichtet sowie bewohnt haben. Im Jahr 1655 wurde der Ort Liebel (Altliebel) jedoch an die Standesherrschaft Muskau verkauft, worauf auch die Familienmitglieder der Metzradts den Ort vollständig verließen[1]


Familienbild der Metzradt aus dem 17. Jh. (Bauer 2008, Abb. 3, S. 8): Umzeichnung der Grabplatte von Uhyst, Vorlage: Kulturhistorisches Museum Görlitz (J.G. Schulz, Altertümer und Denkmäler II. Teil-1, Bl. 195)

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die Arbeit der Archäologen für die Dokumentation und die Konservierung der Geschichte unserer Region ist. Dank der Finanzierung durch Vattenfall, kann das Landesamt für Archäologie in Dresden Wissenschaftler und Mitarbeiter beauftragen, vor der großen Umgrabung noch ein paar kleine Ausgrabungen mit Blick in die Geschichte vorzunehmen.

An dieser Stelle möchten wir uns auch ganz herzlich bei den Archäologen Peter Schöneburg und Jos Janssen sowie dem Landesamt für Archäologie für die Zusammenarbeit und die interessanten Informationen bedanken.

In der nächsten Woche werfen wir einen Blick auf den Anschluss des Weißen Schöps und beschäftigen uns etwas ausführlicher mit der Ertüchtigung des Schwarzen Schöps. Bis dahin wünschen wir Ihnen eine schöne Woche und bleiben Sie neugierig.

Steffi Tusche und Kathrin Kambor von ihrem ArTour-Team in Rietschen


[1] Die historischen Fakten wurden von M. Bauer zusammengetragen (M. Bauer: Wasser , Holz und Eisenstein. Herrschaft, Gewerbe und Landwirtschaft im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet. Spitzkunnersdorf  2008.)

Freitag, 18. Januar 2013

Die Dichtwand am Tagebau Reichwalde

In dieser Woche möchten wir Sie in unserem Artikel über das Thema Dichtwand informieren, das seit den 70er Jahren im Lausitzer Braunkohleabbau eine wichtige Rolle spielt.

Das Dichtwandverfahren ist ein innovatives Verfahren des Lausitzer Braunkohlenbergbaus. Es dient der Abriegelung von Grundwasserzuflüssen und schützt gleichzeitig sensible Bereiche wie Gewässer und Feuchtgebiete im Tagebauumfeld.

Es ist im Interesse des Bergbaus, das Beeinflussungsgebiet der Grundwasserabsenkung möglichst einzugrenzen. Mit ihr lässt sich der unterirdische Zufluss von Wasser in den Tagebau abriegeln. Während auf der „Wasserseite“ der Dichtwand der natürliche Grundwasserstand erhalten bleibt, kann so auf der Seite des Tagebaus der Grundwasserspiegel auf das erforderliche Maß abgesenkt werden.

Die Errichtung der Dichtwand Reichwalde, im Südosten des Tagebaus, ist eine wichtige Voraussetzung zur Umverlegung des Weißen Schöps. Die Dichtwand soll eine Grundwasserabsenkung vermeiden und die angrenzende Teichlandschaft der Hammerstädter Teiche schützen.

Seit Dezember 2009 bis heute entsteht ein 4,2 km langer Abschnitt der unterirdischen Dichtwand. Mit einer Tiefe (bergmännisch „Teufe“ genannt) von ca. 37 bis 47 m arbeitet sich ein 229 Tonnen schweres Schlitzfräsgerät pro Tag etwa sechs Meter vorwärts. Die Maschine fräst zuerst einen tiefen Schlitz in die Erde, anschließend wird ein flüssiges Tongemisch eingespült. Es führt beim Trocknen zum Abdichten der beiden Fräsränder, sodass die unterirdische Wand kein Wasser mehr hindurch lässt.

Ab dem Jahr 2015 soll der Lauf der Dichtwand in nördliche Richtung fortgeführt werden. Sie verläuft im Fall des Tagebaus Reichwalde parallel zur Tagebaukante. Die Gesamtlänge des 1. und 2. Teilabschnittes soll ca. 11  km und eine Teufe von 110 m erreichen.


Grafisches Modell zur Entstehung einer Dichtwand 
In unserer Ausstellung im Rietschener Erlichthof können Sie in der oberen Etage der Theaterscheune ein Modell der Dichtwand betrachten. Zusätzlich finden Sie zahlreiche Informationen zur Umverlegung des Weißen Schöps und den Tagebau Reichwalde. Wir laden Sie herzlich ein, in der Theaterscheune vorbeizuschauen.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und hoffen, dass Sie nächste Woche wieder bei uns reinschauen. Dann werden wir einen Blick in die Geschichte unserer Region werfen und uns mit dem Namensursprung des Schöps auseinandersetzen.

Bis zum nächsten Mal,
Ihr ArTour-Team in Rietschen